Tipps


Als Sänger auf einer Session mitmachen

Das ist für einen Sänger oder eine Sängerin an sich gar nicht so kompliziert und wird auch oft ganz gerne gesehen. Ich will deshalb einmal ein paar Ideen oder Tipps dazu aufschreiben, die ich inzwischen gelernt habe und die mir das Leben ein wenig leichter machen.

 

Songs und Tonart

Wenn man auf die Bühne geht ist es als Sänger gut ein paar Songs im Kopf zu haben, die man gerne spielen möchte und auch die Tonart zu wissen, in der sie gespielt werden sollen (Almoust Like Being In Love in Ab („A flat“). Da nicht jeder Musiker das aus dem Kopf spielen kann, habe ich mir angewöhnt 4 Ausdrucke eines "Sheets" (Stück mit Abfolge der Akkorde – wie in einem Realbook) dabei zu haben, Software ist da sehr hilfreich. Wer die Original-Tonart singt, ist besonders gerne gesehen, die kennen die meisten Instrumentalisten gut.

 

Geschwindigkeit und Stil

Es ist unglücklich, wenn nicht klar ist „wie schnell“ oder wie langsam die Akkordwechsel kommen sollen. Es ist deshalb gut als Sänger oder Sängerin das Stück ein zu zählen („a one, a two, - a one, two, three, four“). Das hilft und jeder weiß, wann es losgeht. Wenn Du ein paar Takte vorher gespielt haben willst, dann sag das. Vier oder acht Takte vom Beginn oder vom Schluss lassen sich durch die Band meist leicht spielen.

Der Stil eines Stückes ist wichtig. Soll es ein Swing oder eine Bossa Nova sein? Auch das solltest Du zu Beginn klarstellen, sonst wird es eben irgendetwas.

 

Soli

Viele Jazzer kommen auf die Bühne, um Soli zu spielen, aber nicht alle. Wer will eine Solo, wer ggf. die Melodie (wenn Du die nicht als Sänger/Sängerin übernimmst) spielen? Anschauen, fragen oder nonverbal klären ist gut. Wenn ein Solo nicht klappt (die Mitspieler wissen nicht mehr, wo die Form ist), dann haben wir als „Lead“ oft den Job, den Einstieg wieder zu finden (ohne Gesang meist der, der die Melodie zu Beginn spielt). Der Lead singt oder spielt zu Beginn die Melodie, dann kommen die Soli und zum Ende kommt wieder die Melodie.

 

Die Form

Jazz hat meist eine eindeutige Form. Oft wird zweimal dieselbe Melodie (A) gesungen, dann eine andere (B) und danach wieder die Melodie (A), wie zu Beginn. Das nennt man kurz die Form A-A-B-A. Es gibt natürlich andere Formen (A-B-A oder A-A-B-C). An sich sind die aber kurz, gut lernbar und sich wiederholend. Man nennt eine solche Form einen Chorus. Das ist auch eine Voraussetzung für die Soli, weil dann jeder weiß, wie viele Takte er/sie zählen muss (z.B. A (8 Takte) + A (8 Takte) + B (8 Takte) + A (8 Takte) = eine Form / ein Chorus mit 32 Takten! Solisten spielen in der Regel ein bis dreimal einen kompletten Chorus.

 

Absprachen

Einfache Absprachen im Stück sind z.B, sich während des Stückes zu erkundigen, wer ein Solo spielen will oder nicht. Der eine nickt, der andere schüttelt den Kopf. Manchmal sagen die Mitspieler das auch zwischendurch (kein Solo). Bitte berücksichtigen, das hebt die Stimmung! Aber ansagen, wenn alle uneindeutig bleiben: man schaut also die Person an (Röntgenstrahl), die dran ist. In der Regel hilft das. Wenn keiner mehr Bescheid weiß, dann die Faust vor die Stirn halten, dass heißt „wir spielen nun vom Kopf“ also vom Beginn der Form an. Das ist dann in der Regel der letzte Chorus (als Wiederholung der Melodie des Stückes).

 

Der Schluss

Ein Musikstück ist wie ein gutes Buch, es kommt auf den Beginn und das Ende besonders an. Aufhören sollten möglichst alle gemeinsam. Drei Finger beim Singen des letzten Chorus in die Luft zu zeigen heißt in der Regel, dass eine „Schlussformel“ dreimal gespielt wird. Das können z.B. die letzten 2, 4 oder 8 Takte eines Chorus sein. Es legt in der Regel die Person fest, die die Band anleitet. In der Regel ist es die Person, die die Melodie spielt/singt – also oft der Sänger oder die Sängerin. Es kann auch eine 2-5-1 Kadenz sein (am Besten mal ein paar davon anhören). Wenn man die Hand in die Luft hält und die Hand dann schließt heißt das, alle hören auf zu spielen. Das kann der Schluss sein oder lässt Raum, um danach den Schlussakkord zu singen oder zu spielen und die Hand wieder zu öffnen.

 

Es gibt noch viel mehr Kniffe und auch Vieles, was ich noch nicht gelernt habe. Dennoch: ich glaube mit diesen Tipps macht ihr schon eine gute Figur auf jeder Session und habt eine Menge Spaß – dann darauf kommt es doch eigentlich an, oder?


Scatten - Vorbilder

Jazz macht - finde ich -dann Spaß, wenn es melodisch bleibt, die Stücke einen Aufbau haben und tolle Soli dabei sind. Als Sänger oder Sängerin besteht für Soli eine Möglichkeit, wenn er oder sie das Scatten lernt. Ich versuche mich auch daran, aber es gibt wirklich tolle Sänger, die diese Kunst perfekt beherrschen. Diese Seite erzählt von einigen, betont allerdings die männliche Seite, obwohl es natürlich geniale Scatsängerinnen gibt und gab.

  • Al Jarreau
    Ich habe tatsächlich mit Al Jarreau den Spaß am Scatten entdeckt. Bei Al war der Übergang zwischen dem Singen, Erzählen und Scatten manchmal kaum zu trennen.
    Ein Beispiel: Take Five
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  • Jon Hendricks
    Als einer der drei Sänger des Trios Lambert, Hendricks & Ross zeigt Jon sehr früh, was alles im Scat-Gesang möglich ist. Abgesehen davon hat er viele Instrumentalsongs mit Jazz-lyrics versehen.
    Ein Beispiel für ein tolles scat-Solo: Airegin (Nigeria).
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  • Mel Tormé
    Mel Tomé war nicht nur Sänger, sondern auch Schlagzeuger, Komponist und Performer. Nicht nur, das Curt Anderson, mit dem ich manchmal zusammenspielen darf, ihn in Schweden in den 60ern begleitet hat (wow), Mel hat sich auch einen Spaß daraus gemacht, Ella als Scatterin ein Denkmal zu setzen.
    Das Beispiel hierfür: Scat-singing (Ella Fitzgerald).
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  • Bobby McFerrin
    Wenn jemand verstanden hat, dass Solo-Spielen, kein Solo-Spielen, sondern Zusammenspielen und auf einander hören heißt, dass ist es für mich Bobby Mc Ferrin. Er zeigt es hier einmal mit Esperanza Spalding.
    Das Beispiel: Jam.
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  • Mark Murphy
    Mark Murphy war ein ausgesprochen breit experimentierender Sänger. Nicht nur, dass mich freut, was er als Bariton für Gesangslinien singen kann: ich finde, dass manche Scat-Soli von ihm fast Geschichte geschrieben haben. 
    Hier ein Beispiel: Stolen-Moments.

 


Noten & Akkorde

Es ist immer gut ein Realbook dabei zu haben, mindestens aber die Akkorde. iRealPro (Android/Apple) oder Band In The Box helfen hier mit vielen Songs weiter. Alternativ gibt es inzwischen tolle Seiten und kostenlose Apps, wie: